Grabreden

Einmalige, liebenswerte Menschen wissen wir auch nach ihrem Tod zu schätzen. Diese Wertschätzung ruft nach einer Grabrede, die der Persönlichkeit und Lebensgeschichte des Verstorbenen gerecht wird. Hier finden Sie eine Auswahl von Grabreden. Diese leben ganz von den liebevollen Erinnerungen der Hinterbliebenen. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür bedanken, wie schnell sich Trauernde mir gegenüber geöffnet haben und wie berührend und schön sie zu erzählen wussten.

Hier finden Sie einen Rückblick auf Schwester Ursula.

Sie war eine der Mitbegründerinnen der "Ottobrunner Diakonieschwestern".

Die 97-jährige hat sich 1947 dafür entschieden, sozusagen eine "evangelische Nonne" zu werden. Als Diakonieschwester hat sie auf eine Partnerschaft, auf eine eigene Familie und ein bürgerliches Privatleben verzichtet.

Während des Krieges hatte sie einen jungen Pfarrer geheiratet, der aber drei Wochen nach der Hochzeit gefallen ist. Das erklärt, warum sie sich in den 80-er-Jahren mit größter Überzeugung für die Friedensbewegung engagierte.

Schwester Ursula war gelerne Bibliothekarin und zeitlebens eine leidenschaftlicher Leserin. Aber sie hat auch selber viele Texte verfasst. Ihre Chronik der "Ottobrunner Diakonieschwestern" dokumentiert ein bewegendes Stück Nachkriegsgeschichte.

Hier erinnere ich an Elenora Ernst.

Sie war fest enschlossen dem HERRN - an den sie euphorisch und ungebremst geglaubt hat - nur gut geschminkt und edel parfümiert vor das Angesicht zu treten. Mit Hilfe des Pflegepersonals und ihrer Tochter Rita ist es dann auch so gekommen.

Sie starb fröhlich, voller Hoffnung auf Leben - und mit perfektem Make-Up.

Elenora Ernst hat lange in den USA gelebt und dort evangelikale Gottesdienste besucht. "Oh, ihr deutschen Pfarrer..." - hat sie bei unserem ersten Trefffen gestöhnt - "...ihr seid immer so schwarz und a little bit boring!" Wow! Ich durfte mir dann über ein Jahr lang Mühe geben, mal nicht langweilig zu sein!

Egon Scholz, ein liebevoller Lebenskünstler.

Auf der Karte, mit der zur Bestattung von Egon Scholz eingeladen wurde, ist ein Baum zu sehen: Eine Radierung, die der Verstorbene selber angefertigt hat.

Damit ein Baum so groß werden kann, muss er tiefe Wurzeln haben. Mit der Lebensgeschichte eines Menschen ist es nicht anders. Nur wer aus einer spürbaren Tiefe an Erfahrungen und Einsichten heraus lebt, strahlt wirklich etwas aus.

„Die Liebe zu seiner Familie und die Verbundenheit mit der Natur haben sein Leben erfüllt“ lese ich dann auf der Innenseite dieser Karte.

Die Hinterbliebenen erzählen, von einem Mann, der aus seinem Garten ein Paradies gemacht hat.

Seine Rolle als Großvater hat er in nicht zu übertreffender Liebe wahrgenommen.

"Er hat mit allen Menschen in Frieden und Harmonie gelebt" - bei ihm was das keine Floskel sondern Herzensprogramm!